Rechtsanwalt für Berufsunfähigkeit
Fallbericht: Berufsunfähigkeit – 110.000 € Vergleich nach gerichtlicher Klärung in Stuttgart
Ausgangssituation des Mandanten
Unser Mandant, Jahrgang 1980, war in der Getränkeherstellung tätig. Aufgrund neurologischer und psychischer Erkrankungen konnte er seinen Beruf nicht mehr wie gewohnt ausüben. Er stellte einen Antrag auf Leistungen aus seiner Berufsunfähigkeitsversicherung bei Proxalto. Trotz vollständiger Unterlagen und eines eigenen Gutachtens verzögerte die Versicherung die Entscheidung jahrelang. Erst 2023 kam die Ablehnung.
Die Begründung war bemerkenswert: Zwar bestätigte ein Gutachten eine Berufsunfähigkeit in Bezug auf seine Tätigkeiten als Schichtleiter, die Versicherung versuchte jedoch, das Berufsbild über formale Stellenbezeichnungen und Arbeitgeberangaben einzuschränken.
Der Kern des Konflikts
Die Versicherung argumentierte:
- „Er war nie offiziell Schichtleiter“
- „Medizinisch nicht ausreichend objektiviert“
Die tatsächliche, gelebte Berufstätigkeit wurde ignoriert. Für die BU zählt jedoch nicht der offizielle Titel, sondern die konkrete Ausübung des Berufsalltags, die Verantwortung und die Tätigkeiten, die den Beruf prägen.
Unser Vorgehen
Wir bereiteten den Fall gezielt für das Landgericht Stuttgart auf:
- Detaillierte Wochenstruktur
Wir haben die Tätigkeiten unseres Mandanten präzise dargestellt: Aufgaben, Verantwortung, zeitlicher Ablauf und besonders prägende Tätigkeitsanteile. Das Gericht bezeichnete diese Darstellung als nachvollziehbar und hilfreich. - Zeugenbefragung
Ehemalige Vorgesetzte und Kollegen bestätigten vor Gericht, dass unser Mandant tatsächlich die Nachtschicht führte, Aufgaben koordinierte und Verantwortung trug – auch ohne offiziellen Titel. - Persönliche Anhörung
Unser Mandant konnte glaubhaft darstellen, wie seine gesundheitlichen Einschränkungen die Ausübung seiner Tätigkeiten beeinträchtigten.
Der Zeitstrahl
- 2023: Ablehnung durch Proxalto
- Februar 2025: Klageeinreichung beim Landgericht Stuttgart
- 2025: Gerichtstermine mit Zeugenvernehmung
- November 2025: Vergleichsverhandlungen
- ca. 9 Monate nach Klage: Vergleich über 110.000 €
Das Ergebnis
Der Vergleich brachte unserem Mandanten:
- Finanzielle Sicherheit, auch rückwirkend für die Zeit der Ablehnung
- Planungssicherheit für die Zukunft
- Entlastung von Dauerzweifeln und Unsicherheiten
Was dieser Fall für Berufsunfähigkeitsversicherte zeigt
- Die offizielle Berufsbezeichnung ist nicht entscheidend. Entscheidend ist, was tatsächlich täglich und prägend ausgeübt wurde.
- Strukturierte Darstellung der Tätigkeiten ist entscheidend. Eine Wochenstruktur schafft Nachvollziehbarkeit und Beweisbarkeit.
- Zeugen können das Berufsbild klären. Wenn die Versicherung sich am Titel aufhängt, ist eine gerichtliche Klärung oft der einzige Weg.
- Neuer Job bedeutet nicht automatisch Leistungsverlust: Auch wenn Sie eine neue (leichtere) Tätigkeit aufgenommen haben, bleibt der Anspruch oft bestehen, sofern der neue Job nicht der früheren Lebensstellung (Einkommen/Status) entspricht.
Für wen dieser Fall besonders relevant ist
- BU-Leistungsanträge, die monatelang oder jahrelang verzögert werden
- Ablehnungen wegen angeblich falscher Berufsbezeichnung oder Tätigkeitsbeschreibung
- Psychische oder neurologische Erkrankungen, bei denen die Versicherung die Einschränkungen als nicht objektivierbar einstuft
- Tätigkeit trotz Einschränkung: Wenn Sie bereits eine neue, aber geringwertigere Arbeit aufgenommen haben und die Versicherung deshalb die Zahlung verweigert.
Nächster Schritt
Wenn Ihre BU-Leistung verzögert oder abgelehnt wird, ist das kein Ende, sondern oft der Beginn unseres Engagements. Wir prüfen Ihr echtes Berufsbild, die relevanten Beweise und die medizinische Bewertung. Mit präziser Vorbereitung sorgen wir dafür, dass Sie sich auf Ihre Genesung konzentrieren können, während wir Ihre Ansprüche durchsetzen.

