Die Berufsunfähigkeitsversicherung

14.01.2019 | Versicherungsrecht

Alles, was Sie rund um Berufsunfähigkeit und  die Berufsunfähigkeitsversicherung wissen müssen!

Gut 25 % der Deutschen verfügt über eine Berufsunfähigkeitsversicherung.

Mit den Fragen was dies ist, was vom Versicherungsschutz umfasst wird und wie man die Leistungen beantragen kann, beschäftigt sich der nachfolgende Artikel.

Was ist die Berufsunfähigkeitsversicherung?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung wird abgeschlossen, um im Falle der Berufsunfähigkeit den eigenen Lebensstandard zu erhalten. Sowie die Existenzsicherung zu erleichtern.

Die wichtigste Leistung ist die Zahlung einer Rente. Für den Fall, dass die berufliche Tätigkeit nicht weiter ausgeübt werden kann. Da man gesundheitlich nicht mehr dazu in der Lage ist.

Für die Zahlung der Berufsunfähigkeitsrente wird der zuletzt ausgeführte Beruf und der konkrete Einzelfall genauestens überprüft.  Kann man seine Tätigkeit, ob nun wegen Krankheit oder eines Unfalls, nicht mehr ausüben, so liegt die Berufsunfähigkeit vor.

Art und Umfang der Leistungen

Die Rentenzahlung ist der wichtigste Aspekt einer Berufsunfähigkeitsversicherung.

Die Höhe der Rentenzahlung wird individuell mit dem Versicherer vereinbart. Er soll den eigenen Lebensstandard im Falle der Berufsunfähigkeit sichern.

Für Auszubildende oder Studenten gibt es besondere Bedingungen. Diese können gegebenenfalls Pauschalbeträge vereinbaren. Die könnten dann über dem monatlichen Einkommen des Azubis oder Studenten liegen.

Neben den genannten Rentenzahlungen bieten einige Versicherer aber noch weitere Leistungen an.

Bei erstmaliger Berufsunfähigkeit werden oftmals Einmalzahlungen angeboten. Auch Wiedereingliederungshilfen oder Rehabilitationsmaßnahmen gehören oft zu den angebotenen Leistungen der Versicherungen.

Vertragsformen für Berufsunfähigkeitsversicherungen

Für den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten.

Zum einen kann der Vertrag selbstständig abgeschlossen werden. Das bedeutet, der Vertrag für die Berufsunfähigkeitsversicherung, kurz BU, besteht, ohne an einen anderen Vertrag gebunden zu sein.

Zum anderen kann der Versicherungsschutz als Zusatz zu einer Hauptversicherung abgeschlossen werden. Dann wird von einer Berufsunfähigkeitszusatzversicherung, kurz BUZ, gesprochen. Diese Versicherung ist dann an das Bestehen der Hauptversicherung (z.B. Risikolebensversicherung) gebunden.

Kosten der Berufsunfähigkeitsversicherung

Wie hoch die zu zahlenden Prämien sind, ist abhängig von verschiedenen Faktoren:

Das Alter bei Antragsstellung spielt eine große Rolle. Umso jünger der Antragssteller, desto niedriger die monatlich zu zahlende Prämie.

Je gefährlicher der ausgeübte Beruf des Antragsstellers, desto höher ist die monatliche Prämie.

Je länger die Vertragslaufzeit gehen soll, desto höher werden die zu zahlenden Prämien. Da mit steigendem Alter das Risiko für einen Versicherungsfall ansteigt.

Notwendigkeit der Versicherung 

Der Bund der Versicherten rät jedem Berufstätigen an, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen.

Deren Ausführungen nach sollte man eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen. Selbst wenn man das Risiko, die Versicherung zu benötigen noch so gering einschätzt. Es könnte immerhin trotzdem der Fall eintreten, dass man aus ungeahnten Gründen berufsunfähig wird. Dann muss vermutlich auch ein finanzieller Engpass überstanden werden.

Wie beantragt man die Leistungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung?

Sollte man die Leistungen aus seiner Berufsunfähigkeitsversicherung in Anspruch nehmen wollen, muss zuerst ein ausführlicher Antrag ausgefüllt werden. Dieser wird dann bei der Versicherung eingereicht. Zudem muss ein lückenloser Nachweis für die Arbeitsunfähigkeit bei der Versicherung vorlegt werden.

Da der Antrag sehr umfangreich ist, kann das Ausfüllen durchaus zu einer weiteren Belastung neben dem gesundheitlichen Zustand für den Betroffenen werden. Daher raten wir zu professioneller Hilfe. Diese Unterstützung erhält man beispielsweise durch einen auf Versicherungsrecht spezialisierten Anwalt.

Bei der Antragsstellung ist, mit oder auch ohne Hilfe, einiges zu beachten. Vor allem ist es wichtig, die Berufsunfähigkeit so detailliert wie nur möglich im Antrag zu begründen.

Mit dem Antrag müssen dem Versicherer folgende Unterlagen vorgelegt werden:

  •  detaillierte und ausführliche Darstellung der Berufsunfähigkeit,
  • ausführliche Berichte der Ärzte, die die Berufsunfähigkeit begründen und die voraussichtliche Dauer beinhalten,
  • Informationen über die ausgeübte Tätigkeit: Was wird getan und wie lange am Tag? Wo wird etwas erledigt? Wie lange?

Ob und in welchem Umfang die BU-Rente gezahlt wird, wird nach Antragseinreichung beim Versicherer geprüft.

Auch versucht der Versicherer zu ermitteln, ob falsche Angaben bei Vertragsabschluss gemacht wurden.

Wie lange der Versicherer von der Antragsstellung bis zur Annahme beziehungsweise Ablehnung braucht, ist je nach Versicherungsunternehmen ganz unterschiedlich.

Man geht hier allerdings davon aus, dass die Spanne zwischen 2 und 7 Monaten liegt.

Was tun, wenn der Antrag abgelehnt wird?

Für den Fall, dass der Antrag auf Leistungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung abgelehnt wird, wird dringend angeraten einen Fachmann auf dem Gebiet hinzuzuziehen. Auch hier kann das ein Fachanwalt für Versicherungsrecht sein.

Eine Rechtsschutzversicherung ist ein großer Vorteil. Im Streitfall trägt diese die Rechtsanwalts- wie auch die Gerichtsgebühren.

Gründe für die Ablehnung des Antrages auf die Leistungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung

Für die Ablehnung von Anträgen auf die Leistung der Berufsunfähigkeitsrente gibt es einige Gründe.

Die 3 häufigsten Ablehnungsgründe:

  • Rund ein Drittel der Betroffenen reagiert nach Antragsstellung nicht mehr auf Aufforderungen durch den Versicherer.
  • Gut ein Viertel der Betroffenen erreicht nicht die 50-Prozent-Marke der Berufsunfähigkeit, die in den meisten Versicherungsverträgen vereinbart wird.
  • Immerhin 25 Prozent werden aufgrund von Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht oder wegen Betruges abgelehnt.

Gründe wie Ausschlussklauseln, konkrete oder abstrakte Verweisung, fallen hierbei kaum ins Gewicht. Nur circa 4 Prozent der Anträge werden aufgrund dessen abgelehnt.

Tipps der Kanzlei Dawood:

Der auf Versicherungsrecht spezialisierte Kanzleiinhaber Rechtsanwalt Dawood zur BU:

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist ein wichtiges Instrument zur Absicherung von Notfällen. Dabei ist zu beachten, dass der Eintritt der Berufsunfähigkeit allein statistisch sehr häufig eintritt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man das Risiko berufsunfähig zu werden als junger Mensch oft falsch einschätzt. Zumindest im Hinblick auf das fortgeschrittene Alter.

Es kann durchaus auch sinnvoll sein, schon in jungen Jahren eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Zu diesem Zeitpunkt kann die Gesundheitsprüfung in der Regel ohne Probleme absolviert werden. Des Weiteren sind die Beitragszahlungen noch relativ niedrig. Natürlich ist auch damit abzuwägen, wie viel eine Berufsunfähigkeitsversicherung kostet.

Wenn Sie sich tatsächlich entschieden haben, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, informieren Sie sich ausführlich. Informieren Sie sich zudem selbst. Vertrauen Sie nicht jeder Aussage blindlings. Stellen Sie in Beratungsgesprächen kritische Fragen. Insbesondere sollten Sie eine Versicherung auswählen, die sich im Leistungsverhalten kulant zeigt.

Es gibt nämlich Versicherer, die statistisch besonders häufig Leistungsanträge von Betroffenen ablehnen. Wenn der Versicherer (zu Unrecht) Ihren Antrag im Falle der tatsächlichen Berufsunfähigkeit ablehnt, nützt Ihnen der schönste Vertrag nichts. Stellen Sie zum Regulierungsverhalten des Versicherers unbedingt Fragen. Geben Sie sich auch mit schlichten Antworten nicht zufrieden. Verlangen Sie unbedingt die Vorlage von Statistiken oder entsprechenden Nachweisen.

Lassen Sie sich auf gar keinen Fall darauf ein, Fragen zur Gesundheit falsch zu beantworten. In einigen Fällen ist es vorgekommen, dass Versicherungsvertreter oder Versicherungsmakler sogar aktiv dazu raten, Fragen falsch zu beantworten. Oder vermeintlich „geringfügige“ Beschwerden zu verschweigen. Die Motivation des Versicherungsvertreters in diesen Fällen war wohl entweder den Vertrag problemloser und schneller ohne Nachfragen des Versicherers abschließen zu können. Oder vielleicht Ausschlüsse oder den Vertragsabschluss an sich nicht zu gefährden.

In jedem Fall: Rechtsschutzversicherung abschließen!

Spätestens mit Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung sollten Sie in jedem Fall unbedingt eine Rechtsschutzversicherung abschließen. Eine Rechtsschutzversicherung kostet jährlich maximal ein paar hundert Euro. Dies ist angesichts der Leistungen einer Rechtsschutzversicherung relativ günstig. Im Ernstfall übernimmt eine Rechtsschutzversicherung einen Rechtsstreit, der viele tausend Euro kosten kann.

Insbesondere bei einem Rechtsstreit über die Anerkennung der Berufsunfähigkeit handelt es sich um langwierige und äußerst kostenintensive Streitigkeiten. Es ist daher ratsam eine Rechtsschutzversicherung abzuschließen. Selbst ein Versicherer mit einem allgemein relativ guten Regulierungsverhalten, macht in Einzelfällen Fehler. Dann sind Sie mit dem Abschluss einer Rechtsschutzversicherung gut abgesichert.

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